Warum Philanthropen glücklicher leben

Menschen, die z.B. einen Ehrenamt ausüben, ob als Trainer einer Jugendmannschaft, bei den Tafeln in Deutschland oder eine Patenschaft für Kinder in Dritte Welt Ländern übernehmen, Blut spenden, sich einen Organspendeausweis besorgen, sich als Knochenmarkspender registrieren lassen, helfen nicht nur anderen, sondern auch sich selbst – wie amerikanische Studien aktuell belegen.

Zum einen kann man so Sinn finden, sich selbst zu einem guten Teil die Sinnfrage beantworten, zum anderen zeigen die Forschungen des US-Gesundheitsexperten Allan Luks, dass Helfen eine meditative Wirkung entfaltet. Denn wenn man für andere da ist, richtet sich der Fokus auf etwas außerhalb des eigenen Selbst. Aus Anteilnahme für andere entsteht innerer Frieden.

Dieses „Helpers High“, dieses Hochgefühl bei einer ehrenamtlichen Tätigkeit löst nicht nur Anspannung, sondern setzt auch Glückhormone frei.

Viele Menschen haben oft unbewusst oder unterschwellig ein irrationales Gefühl, gewisse Dinge und Lebensumstände nicht zu verdienen. Wer sich für andere einsetzt, wer teilt und großzügig ist, wird zu der Einstellung kommen, auch selbst das Beste auch zu verdienen.

Altruismus ist so gesehen in einiger Hinsicht nicht das Gegenteil von Egoismus, sondern in einem gesunden Sinne ein Stück weit egoistisch. Als Philanthrop, als Menschenfreund lebt man also glücklicher.

Auch neben ehrenamtlichen Tätigkeiten oder ähnlichem kann man aus dieser Erkenntnis auch im beruflichen Kontext neue Fragestellungen für sich ableiten. Statt der Frage, wie kann ich meinen Umsatz verzehnfachen könnte, man sich die Frage stellen, wie kann ich zehnmal mehr Kunden helfen Ihre Ziele zu erreichen?

Ist es eigentlich wirklich der Sinn des Lebens sich die ganze oder die meiste Zeit glücklich zu fühlen? „Jeder ist seines Glückes Schmied“ lautet eine alte Volksweisheit, aber die krampfhafte Suche, die Sucht nach Glück und dem Glück hinterherzulaufen, macht eher unglücklich als glücklich.

Die aktuelle Hirnforschung belegt weiterhin, dass wir Menschen auch gar nicht dafür ausgelegt sind, permanent Glück zu empfinden.

„Das Glück des Lebens besteht nicht darin, wenig oder keine Schwierigkeiten zu haben, sondern alle siegreich und glorreich zu überwinden“, sagte der schweizer Schriftsteller Carl Hilty.

Sinnhaftes Glück mit Bestand, ist sein Leben als gelungenes Leben zu empfinden, dazu gehört auch Krisensituationen mit Gelassen- und Gelöstheit zu begegnen und mit aufrechtem Kopf gerade auch durch die Täler des Lebens zu schreiten. Den Fokus auf die Dinge zu richten, für die man dankbar ist um so die negativen Aspekte des eigenen Lebens zu relativieren.

Wenn Sie sich die guten Dinge in Ihrem Leben bewusst machen und dafür ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit empfinden, ist das ein Schlüssel für mehr Glück in Ihrem Leben.

Nachhaltiges Glück ist nicht eine möglichst lange Abfolge von Genussmomenten und positiven Erlebnissen – sondern vielmehr das Empfinden von einem sinnhaftem, gelungenem Leben.

Und das Glück muss man auch wahrnehmen können, so gibt es immer wieder Studien, in denen Menschen angeben, dass sie echte Glückspilze sind. Sie haben den Traumpartner und den Traumberuf. Und dann gibt es die vermeintlichen Pechvögel, bei denen das Gegenteil der Fall zu sein scheint. Wenn man jetzt objektiv die Lebensumstände dieser beider Gruppen analysiert, dann haben die Glückspilze keine besseren Partner oder Jobs, aber dafür konzentrieren sie sich mehr auf die positiven Aspekte ihres Lebens und nehmen diese viel bewusster und dankbarer an. Glück ist somit auch eine Frage der eigenen Wahrnehmung.

Der Sozialwissenschaftler Gert Wagner führt jedes Jahr bei 25.000 Deutschen eine Studie über ihre Zufriedenheit, ihre private und beruflich Situation und über ihre Gesundheit durch. Diese Umfrage dokumentiert, dass das Glück der Studienteilnehmer nicht statisch ist, sondern vielmehr von jährlich getroffenen Entscheidungen und Handlungen abhängt. Die, die sich entscheiden, sich für ihre Partnerschaft einsetzen, Freundschaften pflegen und aufbauen, sich Ziele setzen und etwas für ihre Gesundheit tun, – bei denen stieg Lebenszufriedenheit.

Auch diese Studienergebnisse dokumentieren, das Glück liegt in unserer eigenen Hand.

Positive Emotionen, wenn wir Zufallsglück erfahren oder unsere derzeitigen Lebensumstände als besonders positiv empfinden, sind temporärer Natur. Mit dieser Einsicht lassen sich auch emotionale Tiefpunkte viel leichter und gelassener aushalten, denn auch diese sind temporärer Natur. So kann man jedes vermeintliche Pech, jedes gefühlte Unglück viel leichter aushalten, da es sowieso wieder durch andere glückliche Momente abgelöst wird. Mit dieser Einstellung wird man souveräner und die natürlichen Wechselfälle des Lebens können einen nicht mehr so leicht aus der Bahn werfen. Zur Souveränität gehört in diesem Zusammenhang auch, sich über die Möglichkeit des eigenen Scheiterns bewusst zu sein. So trifft es einen dann nicht wirklich hart, wenn man einmal scheitert. Auch das gehört zum Leben, man steht danach einfach wieder auf.

Einen gesunden Abstand zu negativen Emotionen kann man auch gewinnen, wenn man sich ihnen nicht hingibt, ihnen emotional nicht folgt, sondern sie als wertvolle Hinweisgeber versteht, die uns anleiten, sollen konkrete Handlungen für Veränderungen vorzunehmen. Eine negative Emotion zu haben und dann keine Handlungen vorzunehmen oder Änderungen einzuleiten, wäre eine unsinnige und unnötige Form von Selbstquälerei.

Die meisten Dinge im Leben sind in der Regel nur halb so schlimm wie sie zuerst aussehen. „Nicht wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird!“, sagt der Volksmund.

Wenn man sich fragt, was ist das Schlimmste, was als nächstes passieren kann, dann stellt man fast immer fest, dass es nicht existenziell ist und Leib und Leben nicht bedroht sind. Mit dieser Art der Relativierung findet man dann wieder die Energie, um sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

Der Philosoph Wilhelm Schmid meinte hierzu: „Ein Leben könne nur dann als gelungen bezeichnet werden, wenn der Mensch auch dessen Prüfungen akzeptiere und diese als Entwicklungschance verstehe. Der Schmerz ist der Stachel, der uns zum Nachdenken über das Leben nötigt.“

Wir sollten jeden Tag bewusst genießen – dazu gehören natürlich auch die positiven Gefühle wenn wir uns etwas Schönes kaufen, uns ein neues, tolles Auto leisten und so weiter. Wenn wir aber parallel kein sinnorientiertes Glück erleben, relativiert sich auch das Genussglück – weil es dann nur Fastfood-Glück ist – ohne echten Nährwert.

Nachhaltiges Glück ist sinnorientiert und je mehr sinnorientiertes Glück wir empfinden, umso mehr können wir auch das Genussglück genießen. Wenn wir uns z.B. Blut abnehmen lassen, um uns als Knochenmarkspender zu registrieren, dann hat das nichts mit dem Schmerz-vermeiden-Prinzip zu tun. Aber wir spüren, hier etwas Sinnvolles zu tun. Das kann denn deutlich mehr Zufriedenheit auslösen als kurzfristiges Genussglück. Auch für einen Marathon zu trainieren hat nichts mit dem Schmerz-vermeiden-Prinzip zu tun, aber das Gefühl wirklich stolz auf sich zu sein, weil man den ersten Marathon geschafft hat, erzeugt ein dauerhaftes Glücksgefühl.

Sich für soziale Zwecke zu engagieren, Karriereziele zu setzen, ein Lebenswerk zu schaffen, sein Wissen permanent und auf vielfältige Art und Weise zu erweitern, die eigene innere Ruhe zu finden und zu bewahren sowie eine Liebesbeziehung mit echtem Tiefgang zu führen und der Einsatz für andere Menschen sind Quellen für nachhaltiges Glück, das anhält.

Sinnbasierende Glückserlebnisse nehmen von der Wirkung nicht ab. Eines der beeindruckensten Beispiele, wie man trotz der allerschlimmsten Lebensbedingungen nicht nur positive Aspekte am Leben findet, sondern auch einen Lebenssinn, ist Neurologe Viktor E. Frankl.

Er begründete die Logotheraphie, was sich vom griechischen Logos – also Sinn ableitet, und er entwickelte diese in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz und Dachau, die er dank seiner persönlichen Sinnfindung überlebte.

Frankl stellte für sich fest, dass man nur dann überleben konnte, wenn man auch unter diesen scheinbar hoffnungslosen Bedingungen für sich einen Sinn findet, sich Visionen für die Zukunft vorstellt und sich Ziele setzt. Denn er sah täglich, dass die, die sich aufgaben, keine Hoffnung und keine Ziele mehr hatten, sehr schnell starben.

Bei dem Transport ins KZ ging ihm eine wissenschaftliche Arbeit verloren, die für ihn einen sehr hohen ideellen Wert hatte und er setzte sich das Ziel, dieses Manuskript unbedingt wieder zu rekonstruieren. Dieses Ziel gab ihm Kraft und Perspektive.

Als auch ihm eines Tages die Situation im KZ durch Hungerödeme, erfrorene Füße, die Kälte und Schmerzen hoffnungslos erschien, entwickelte er die Vision, wie er in einem wohltemperierten und schönem, hellen Kongresssaal an einem Rednerpult stand und einen Vortrag mit dem Titel hält: „Psychotherapeutische Erfahrungen im Konzentrationslager“.

Diese Vision, der feste Glaube und die Imagination, dass die Zukunft besser werden würde, hielt ihn am Leben und einige Jahre später hielt er unter genau diesem Titel diesen Vortrag vor einem begeisterten Auditorium und erlebte die Situation genau so, wie er sie in seiner Vorstellung vorweggenommen hatte.

Was Frankl Jahre zuvor im KZ visualisiert hatte, war nun Wirklichkeit geworden.

Obwohl er selbst sehr unter Qualen des KZ-Alltags zu leiden hatte, fand Frankl auch darin Sinn, anderen Lagerinsassen zu helfen und therapeutisch zu betreuen.

Viktor Frankl sagte auch: „Im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person erfüllt der Mensch sich selbst.“

Das heißt, wenn man ein Ziel hat das wertebasiert ist, – z.B. anderen Menschen zu helfen – dann verleiht einem dieses Ziel, in dem man seinen individuellen Sinn gefunden hat, immer wieder Motivation.

Wirklicher Erfolg und Erfüllung stehen also im engen Zusammenhang. Rein materieller Erfolg ohne Erfüllung macht nicht wirklich glücklich.

Erfüllung fühlt man auch immer dann, wenn man feststellt, man hat sich weiter entwickelt. Ein guter Grund also, um z.B. eine neue Sprache, eine neue Sportart oder Ähnliches zu erlernen. Oder sich z.B. mit den faszinierenden Aspekten der Geschichte, der Philosophie oder den Naturwissenschaften zu beschäftigen. Vielleicht verlieben Sie sich sogar regelrecht in die Erkenntnissuche? Laut dem renommierten Neurowissenschaftler und Bildungsforscher Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer liegen Glück und Lernen sehr eng beieinander. Lernen und die daraus resultierende Weiterentwicklung ist also ein Schlüssel zu einem glücklichem, sinnerfülltem Leben.

Von Sven Remmert

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